Ratgeber
Wie eine Heiligsprechung abläuft
Vom Diener Gottes zum Heiligen: die Stufen eines Verfahrens, wer daran beteiligt ist, was die Kirche prüft und wie gewöhnliche Gläubige helfen können.
Die vier Gruppen auf MyHolyHero
Jedes Vorbild auf dieser Website gehört zu einer dieser Gruppen. Die ersten drei sind Kandidaten für die Heiligsprechung, die vierte nicht.
- 01Diener GottesMänner und Frauen, deren Selig- und Heiligsprechungsverfahren offiziell eröffnet wurde: der erste förmliche Schritt auf dem Weg zur Heiligkeit.5 →
- 02EhrwürdigeDiener Gottes, deren heroischer Tugendgrad oder deren Lebenshingabe durch ein vom Papst gebilligtes Dekret anerkannt wurde.8 →
- 03SeligeMänner und Frauen, die die Kirche seliggesprochen hat: Sie dürfen mit einem Gedenktag öffentlich verehrt werden, an einem bestimmten Ort oder in einer Ordensfamilie.8 →
- ·GlaubenszeugenMänner und Frauen, an deren Glauben man sich erinnert, für die aber kein Seligsprechungsverfahren eröffnet wurde. Sie sind keine Kandidaten für die Heiligsprechung.26 →
Was eine Heiligsprechung ist
Die Heiligsprechung ist der Akt, mit dem der Papst erklärt, dass ein verstorbener Mensch ein Leben heroischer Heiligkeit geführt hat, im Himmel ist und von der ganzen Kirche als Heiliger verehrt werden darf. Die Kirche „macht“ keine Heiligen: Nach sorgfältiger Prüfung erkennt sie die Heiligkeit an, die Gott im Leben eines Menschen bereits gewirkt hat, und stellt ihn als Vorbild und Fürsprecher vor.
Das heutige Verfahren regeln die Apostolische Konstitution Divinus Perfectionis Magister, die Papst Johannes Paul II. 1983 erlassen hat, die im selben Jahr veröffentlichten Normen für die diözesanen Erhebungen sowie die Instruktion Sanctorum Mater (2007), die im Einzelnen erklärt, wie eine Diözese ein Verfahren durchführt. In Rom werden die Verfahren vom Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse geprüft, das bis zur Kurienreform von Papst Franziskus im Jahr 2022 Kongregation hieß.
Wer ein Verfahren eröffnen kann
Ein Verfahren beginnt mit dem Ruf der Heiligkeit: Menschen, die die Person gekannt oder später von ihr erfahren haben, sind überzeugt, dass sie das Evangelium auf außergewöhnliche Weise gelebt hat, und beten um ihre Fürsprache. Jeder Gläubige oder eine Gruppe wie eine Diözese, eine Pfarrei, ein Ordensinstitut oder ein Verein kann als Antragsteller auftreten und die Eröffnung beantragen. Der Antragsteller ernennt einen Postulator, der das Verfahren vertritt und durch alle Stufen begleitet.
Zuständig ist in der Regel der Bischof der Diözese, in der die Person gestorben ist. Vor der Eröffnung muss er prüfen, ob der Ruf der Heiligkeit echt und verbreitet ist, die Bischöfe seiner Region befragen und beim Heiligen Stuhl anfragen, ob Einwände bestehen: das Nihil obstat. Mit der offiziellen Eröffnung erhält die Person den Titel „Diener Gottes“.
Die Fünfjahresfrist und ihre Ausnahmen
In der Regel darf ein Verfahren erst mindestens fünf Jahre nach dem Tod der Person beginnen. Die Wartezeit lässt die Gefühle sich beruhigen und zeigt, ob der Ruf der Heiligkeit Bestand hat. Nur der Papst kann davon dispensieren. Johannes Paul II. tat dies für Mutter Teresa von Kalkutta, deren Verfahren 1999 eröffnet wurde, zwei Jahre nach ihrem Tod, und Benedikt XVI. tat dasselbe 2005 für Johannes Paul II., wenige Wochen nach dessen Tod.
Es gibt auch eine Kontrolle in die andere Richtung: Wird ein Verfahren mehr als dreißig Jahre nach dem Tod eingeleitet, muss der Bischof klären, warum es sich verzögert hat, um jeden Verdacht auf Betrug oder Täuschung auszuschließen.
Das diözesane Verfahren
Die erste Phase findet in der Diözese statt. Ein Gericht befragt unter Eid Zeugen, möglichst Menschen, die den Diener Gottes persönlich gekannt haben, über sein Leben, seine Tugenden und seinen Ruf der Heiligkeit. Theologische Zensoren prüfen alles, was die Person veröffentlicht hat, und eine historische Kommission sammelt Briefe, Tagebücher und andere Dokumente. Nichts wird als selbstverständlich angenommen: Das Verfahren muss auch alles festhalten, was gegen die Sache sprechen könnte.
Nach Abschluss werden die Akten versiegelt und an das Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse geschickt, das zunächst prüft, ob das diözesane Verfahren gültig durchgeführt wurde.
Die Positio und der heroische Tugendgrad
In Rom wird dem Verfahren ein Relator des Dikasteriums zugewiesen, unter dessen Leitung der Postulator die Positio erstellt: einen dokumentierten Band, der das Leben der Person darstellt und anhand der Beweise zeigt, dass sie die Tugenden in heroischem Grad geübt hat. Gemeint sind die göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sowie die Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß, gelebt mit außergewöhnlicher Beständigkeit, Bereitschaft und Freude, auch unter schwierigen Umständen.
Die Positio wird von einer Kommission theologischer Konsultoren (und bei älteren Verfahren von historischen Konsultoren) geprüft, danach von den Kardinälen und Bischöfen, die Mitglieder des Dikasteriums sind. Fällt ihr Urteil positiv aus, berichtet der Präfekt dem Papst, der das Dekret über den heroischen Tugendgrad billigen kann. Von da an heißt der Diener Gottes „Ehrwürdiger“.
Das Martyrium
Märtyrer gehen einen anderen Weg. Statt des heroischen Tugendgrads muss das Verfahren nachweisen, dass die Person aus Hass auf den Glauben (in odium fidei) getötet wurde und den Tod aus Liebe zu Christus bereitwillig angenommen hat. Billigt der Papst ein Dekret über das Martyrium, kann der Märtyrer ohne Wunder seliggesprochen werden. Für die Heiligsprechung ist in der Regel weiterhin ein Wunder nötig.
Die Hingabe des Lebens
2017 eröffnete Papst Franziskus mit dem Apostolischen Schreiben Maiorem hac dilectionem einen dritten Weg. Sein Titel zitiert die Worte Jesu: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Johannes 15,13). Es geht um Christen, die ihr Leben frei für andere hingegeben und aus Liebe einen sicheren und frühen Tod angenommen haben, der unmittelbar aus dieser Hingabe folgte, etwa weil sie während einer Seuche bei den Kranken blieben. Die Person muss außerdem bis zum Tod die christlichen Tugenden zumindest in gewöhnlichem Maß gelebt haben und im Ruf der Heiligkeit stehen. Anders als beim Martyrium ist für die Seligsprechung ein Wunder erforderlich.
Wunder
Außer bei Märtyrern verlangt die Seligsprechung in der Regel ein Wunder auf die Fürsprache des Ehrwürdigen, die Heiligsprechung ein zweites Wunder, das nach der Seligsprechung geschehen ist. Die meisten geprüften Wunder sind Heilungen. Ein Ärztegremium untersucht zuerst, ob die Heilung vollständig, dauerhaft, rasch und medizinisch unerklärlich war; dann prüfen Theologen, ob sie auf ein Gebet folgte, das sich ausdrücklich an den Kandidaten richtete; schließlich geben die Kardinäle und Bischöfe ihr Votum ab, und der Papst entscheidet.
Ein Wunder ist kein Preis für Beliebtheit: Die Kirche versteht es als Zeichen Gottes, das ihr Urteil bestätigt. Der Papst kann vom zweiten Wunder für die Heiligsprechung dispensieren, wie es Papst Franziskus 2014 bei der Heiligsprechung von Johannes XXIII. getan hat.
Seligsprechung und Heiligsprechung
Die Seligsprechung erlaubt die öffentliche Verehrung eines Seligen an einem bestimmten Ort oder in einer bestimmten Gemeinschaft (einer Diözese, einem Land oder einer Ordensfamilie), mit einem Gedenktag in deren Kalender. Seit 2005 werden Seligsprechungen in der Regel in der Ortskirche von einem Kardinal als Vertreter des Papstes gefeiert.
Die Heiligsprechung dehnt die Verehrung auf die ganze Kirche aus. Der Papst selbst verkündet den neuen Heiligen, meist in Rom, und der Heilige darf überall verehrt werden, mit ihm geweihten Kirchen und einem Platz im liturgischen Kalender.
Die äquipollente Heiligsprechung
Nicht jeder Heilige hat das vollständige moderne Verfahren durchlaufen. Bei einer äquipollenten (gleichwertigen) Heiligsprechung dehnt der Papst die Verehrung einer seit langem verehrten Person auf die Weltkirche aus, nachdem Historiker ihre Tugenden und die Beständigkeit der Verehrung bestätigt haben. Benedikt XVI. wandte sie 2012 für Hildegard von Bingen an, Papst Franziskus 2013 für Angela von Foligno und Peter Faber. Etwas Ähnliches gibt es für die Seligsprechung: die Bestätigung einer alten Verehrung.
Wie Gläubige ein Verfahren unterstützen
Verfahren leben von gewöhnlichen Menschen. Die wichtigste Hilfe ist das Gebet: einen Diener Gottes, einen Ehrwürdigen oder einen Seligen um Fürsprache in den eigenen Anliegen zu bitten und für seine Selig- oder Heiligsprechung zu beten. Dieses Gebet muss privat bleiben, bis die Kirche die öffentliche Verehrung erlaubt; nach den Dekreten Papst Urbans VIII. darf niemand vor der Seligsprechung öffentlich verehrt werden, etwa durch einen Gedenktag, Messen zu seinen Ehren oder Bilder mit Heiligenschein über einem Altar.
Wenn Sie glauben, durch die Fürsprache eines Menschen eine Gnade oder Heilung erfahren zu haben, schreiben Sie das Geschehen mit Daten und Einzelheiten auf und senden Sie es an die Postulation des Verfahrens; eine mögliche Heilung braucht medizinische Unterlagen. Viele Verfahren sind auch auf Spenden angewiesen, um Forschung, Reisen und den Druck der Positio zu finanzieren. Die Seite jedes Vorbilds auf MyHolyHero nennt den Stand seines Verfahrens und bietet ein Gebet für die private Andacht.
Erwähnte kirchliche Dokumente
- Divinus Perfectionis Magister, Apostolische Konstitution von Papst Johannes Paul II. (1983)
- Normae servandae in inquisitionibus ab Episcopis faciendis in Causis Sanctorum (1983)
- Sanctorum Mater, Instruktion der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse (2007)
- Maiorem hac dilectionem, Apostolisches Schreiben von Papst Franziskus (2017)
- Praedicate Evangelium, Apostolische Konstitution von Papst Franziskus über die Römische Kurie (2022)
Häufige Fragen
Welche Schritte führen zur Heiligsprechung?
Es gibt vier Hauptstufen: Diener Gottes (das Verfahren wird eröffnet), Ehrwürdiger (heroischer Tugendgrad oder Lebenshingabe werden anerkannt), Seliger (Seligsprechung) und Heiliger (Heiligsprechung).
Wie lange dauert eine Heiligsprechung?
Es gibt keine feste Dauer. Manche Verfahren dauern wenige Jahre, viele Jahrzehnte und manche Jahrhunderte. Das hängt von der Beweislage, der Arbeit der Postulation und, außer bei Märtyrern, von anerkannten Wundern ab.
Wer entscheidet, ob jemand heilig ist?
Der Papst, nachdem das Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse das Verfahren geprüft hat. Der Diözesanbischof eröffnet das Verfahren und führt die erste Erhebung durch.
Kann man ohne Wunder heiliggesprochen werden?
Märtyrer können ohne Wunder seliggesprochen werden, der Papst kann vom Wunder für die Heiligsprechung dispensieren, und die äquipollente Heiligsprechung folgt einem eigenen Weg. Sonst ist ein Wunder für die Seligsprechung und ein weiteres für die Heiligsprechung erforderlich.
Darf ich zu jemandem beten, der nicht seliggesprochen ist?
Ja, privat. Sie dürfen einen Diener Gottes oder einen Ehrwürdigen um Fürsprache bitten. Die öffentliche Verehrung ist denen vorbehalten, die die Kirche selig- oder heiliggesprochen hat.
Nach Stand des Verfahrens